Heike Ruschmeyer (DE)

Heike Ruschmeyer (DE)

Galleri Heike Arndt DK hat einen ganz besonderen „Kunstbonbon mit Beigeschmack“ :

Heike Ruschmeyer schafft fordernde Werke die man nur schwer vergessen kann.
Heike Ruschmeyer,vor ein paar Jahrren in einer Soloausstellung in der Berliner Kunsthalle präsentiert, dokumentiert in neuen Arbeiten Tatorte mit Fokus auf tote Kinder. Die Werke sind nicht für zarte Seelen – aber eine Dokumentation unserer sehr realen Wirklichkeit auch in Deutschland.  Diese Arbeiten schärfen den Blick auf Gegenwart und Vergangenheit und haben alle Museumspotential und werden ganz sicher unvergessliche Spuren bei den Besuchern hinterlassen.

Heike Ruschmeyer - Monolog CIII - cm

HERU19

Heike Ruschmeyer - kleinMonolog CXVII - cm

Heike Ruschmeyer - Vermisste Kinder - 21 x 14,6 cm

Heike Ruschmeyer - Morgens 1v4 - 120 x 160 cm

Heike Ruschmeyer - Mittags 2v4 - 120 x 160 cm

Heike Ruschmeyer - Abends 3v4 - 120 x 160 cm

Heike Ruschmeyer - Nachts 4v4 - 120 x 160 cm

Morgens

Heike Ruschmeyer - Mittags - 120 x 95 cm

Heike Ruschmeyer - Monolog XX - 210 x 155 cm

Ruschmeyer verwendet Fotografien aus der Kriminologie und Gerichtsmedizin als Vorlagen für ihre Darstellungen von Selbstmördern oder Opfern von Gewaltverbrechen. In ihren Gemälden erzählt sie kein individuelles Schicksal, keine Biografie oder Geschichte, es geht um Ausgeliefertsein und Abschied, um Grenzüberschreitung und Übergang in eine andere Sphäre. Häufig setzt die Malerin ihre Protagonisten überlebensgroß ins Format. Eine weitere Verfremdung entsteht durch das Aufrichten der ursprünglich liegenden Figuren. Sie erscheinen monumental, entwickeln ein Eigenleben über den Tod hinaus und scheinen gelegentlich in Geborgenheit zu schlafen.

Ende der siebziger Jahre entstehen erste Arbeiten, die sich expressiv von ihren Fotovorlagen befreien. Verschiedene Materialien wie Sand, Stoffreste oder Papier werden in die Maloberfläche eingearbeitet. Ruschmeyer setzt sich mit dem Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland auseinander, malt Bildnisse von Jan-Carl Raspe oder Ulrich Wessel. Parallel entstehen Portraits von Folteropfern. Ab 1984 entsteht die Monolog-Serie, zu der bisher über 240 Gemälde in verschiedenen Formaten existieren, die in römischen Ziffern durchnummeriert sind. Seit Mitte der neunziger Jahre widmet sich Ruschmeyer verstärkt Kinderbildnissen. Ab 2006 entsteht die Lalelu-Serie, die sich thematisch mit Familiendramen bzw. Kindervernachlässigungen auseinandersetzt. Eine weitere Serie ab 2009 behandelt ca. 180 kleinformatige Portraits von vermissten Kindern.

Heike Ruschmeyer (1956) kann als eine dokumentarische Künstlerin kategorisiert werden und politische Handlungen spielen eine wichtige Rolle in ihren Arbeiten. „Ich sehe weder Malerei als Dekoration noch als eine Art die Geschichte zu schildern“, sagt sie. Ruschmeyer macht ihre Bilder nach Tatortfotografien und Fotografien von Menschen, denen Gewalt angetan wurde. Familie und alltägliches Ereignisse sind aber auch umfasst in ihren Themen. „Meine Mutter sagte immer, dass ich nicht genug Phantasie hätte, aber ich finde die Realität des Lebens unglaublicher als Phantasien“, sagt Ruschmeyer. Malerei als Medium ist wichtig für Ruschmeyer wegen des langsamen Arbeitsprozesses. „Ein Austauschprozess zwischen mir und den Menschen, die ich male, ist notwendig. Ein Austausch, der Zeit braucht“, sagt Ruschmeyer über ihre Arbeitsmethoden.

Leben

Heike Ruschmeyer wurde 1956 in Uchte/Niedersachsen geboren. Der Vater war ein Kürschner und Mützenmacher, er verstarb 2003 im Alter von sechsundsiebzig Jahren. Die Mutter verstarb 1988 im Alter von neunundfünfzig Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.[1]1975 machte Ruschmeyer ihr Abitur in Petershagen in Nordrhein-Westfalen. Von 1976 bis 1979 studierte sie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Emil Cimiotti und Alfred Winter-Rust. Von 1979 bis 1982 studierte sie an der Hochschule der Künste Berlin als Meisterschülerin bei Wolfgang Petrick weiter. Ab 1983 begann eine Zusammenarbeit mit der Galerie Dieter Brusberg, Ausstellungen in anderen Galerien folgten. Heike Ruschmeyer lebt in Berlin.

Auszeichnungen

  • 1977 Rudolf Wilke-Stipendium der Stadt Braunschweig
  • 1983 Bernhard Sprengel-Preis für Bildende Kunst
  • 1985 Nachwuchsförderstipendium für Bildende Kunst an der HdK Berlin
  • 1988 Niedersächsisches Künstlerstipendium
  • 1993 Bernward-Preis für Malerei
  • 2005 Marianne-Werefkin-Preis

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 1981 Selbsthilfe-Galerie Kulmer Straße, Berlin
  • 1982 Kleiner König, Anderes Ufer, Berlin
  • 1983 Das Glashaus, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1983 Sprengel Museum, Hannover
  • 1984 Atelier Rue Sainte Anne, Brüssel (mit Bettina Niedt)
  • 1984 Galerie Boibrino, Stockholm
  • 1987 Der Doppelgänger, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1989 Kreuzwege, Galerie Brusberg, Berlin (mit Reiner Schwarz)
  • 1990 Galerie Gering-Kuhlenkampff, Frankfurt
  • 1991 Monolog, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 1992 Heffel Gallery, Vancouver
  • 1993 Maßlose Zeit, Staatliche Kunsthalle, Berlin
  • 1994 Einmischung in eigener Sache, Kunstförderverein, Weinheim (mit Elvira Bach und Cornelia Schleime)
  • 1995 Die Schlaflosen, Kulturspeicher, Oldenburg
  • 1996 Tage und Nächte – 7 Bilder, SOMA, Berlin
  • 1997 Die Schlaflosen II, Galerie Skala, Köln
  • 1998 33 Köpfe, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin
  • 1999 Ene mene muh, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 1999 Galerie Klaus Kiefer, Essen
  • 2000 Ene mene muh, Galerie Skala, Köln
  • 2001 Kulturspeicher, Oldenburg
  • 2001 Stiller, Fine Art Rafael Vostell, Berlin
  • 2002 Galerie Klaus Kiefer, Essen
  • 2003 Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein, Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld
  • 2004 Galleria Rubin, Mailand
  • 2004 Es geschah am hellichten Tag, Emerson Gallery, Berlin
  • 2005 Verleihung des Marianne Werefkin-Preises, Georg-Kolbe-Museum, Berlin
  • 2005 Galerie Klaus Kiefer, Essen
  • 2007 Eingriffe, Emerson Gallery, Berlin (mit Bruni Jürss)
  • 2007 Das letzte Bild, Bestattungsinstitut Otto Berg, Berlin
  • 2007 Schlaf Kindlein, schlaf, Emerson Gallery, Berlin
  • 2008 Der Plumpsack geht um, Galerie Klaus Kiefer, Essen
  • 2009 Prozess Nr. 2 – Reflexionen des Todes, Prozessgalerie, Berlin (mit Dietgard Banerjee und Frank Tangermann)
  • 2009 Lalelu, Galerie Schwartzsche Villa, Berlin (mit Bruni Jürss)
  • 2011 Dunkel, Emerson Gallery, Berlin
  • 2011 Galerie Klaus Kiefer, Essen
  • 2011 Bürger- und Kulturverein, Uchte
  • 2011 Galleri Heike Arndt DK, Berlin (mit Herbert Mondry und Carina Jo Sivager)
  • 2011 Galleri Heike Arndt DK, Kettinge (mit Herbert Mondry)
  • 2011 Heike Ruschmeyer. Malerei, Theater auf dem Hornwerk, Nienburg/Weser
  • 2014 Schwarz auf Weiss, Galerie am Savignyplatz, Berlin
  • 2014 Spurensuche, Emerson Gallery, Berlin
  • 2015 Biennale der Zeichnung, kunst galerie fürth, Fürth (mit Kirill Schröder)
  • 2015 Das andere Land, Museum Reinickendorf, Berlin

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

  • 1978 Hommage à Goya, Kunsthaus, Hamburg
  • 1978 Die Bildende Kunst und das Tier, Orangerie im Großen Garten, Hannover-Herrenhausen
  • 1982 Gefühl und Härte, Kulturhaus Stockholm, Kunstverein München
  • 1982 Zwischen himmlischer und irdischer Liebe, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1983 Künstler in Niedersachsen, Ankäufe des Landes seit 1976, Kunstverein Hannover
  • 1984 Realisten in Berlin, Berlinische Galerie, Berlin
  • 1984 Umgang mit der Aura, Städtische Galerie, Regensburg
  • 1985 5 x junge Malerei, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1985 Ankäufe des Senats, Staatliche Kunsthalle, Berlin
  • 1986 Gegenlicht, Staatliche Kunsthalle, Berlin
  • 1986 Eva und die Zukunft, Kunsthalle, Hamburg
  • 1987 Momentaufnahme, Staatliche Kunsthalle, Berlin, Künstlerhaus Wien
  • 1989 40 Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, Staatliche Kunsthalle, Berlin, Städtische Galerie Schloss Oberhausen
  • 1989 Art in Berlin 1815-1989, High Museum of Art, Atlanta
  • 1990 Bilder vom Menschen, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1990 Profile, Impulse 4. Niedersächsische Künstlerstipendiaten 1988-1990, Rolf-Flemes-Haus, Hameln
  • 1992 10 Jahre Brusberg in Berlin, Galerie Brusberg, Berlin
  • 1992 Nordbild, Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Oldenburg, Drents Museum, Assen
  • 1993 Passion, Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
  • 1993 Los Desastres de la Guerra, Galerie Brusber, Berlin
  • 1995 Versuche zu trauern, Städtische Galerie Schloss Oberhausen
  • 1997 Gewaltansichten, Willy-Brandt-Haus, Berlin
  • 1997 Firenze/Berlino. Due realtà a confronto, Libreria CIMA, Florenz
  • 2000 Sebastian Heiner, Annedore Dietze, Heike Ruschmeyer, Galerie Rafael Vostell, Berlin
  • 2004 Sudden Death, Westwendischer Kunstverein
  • 2005 Deep Action, Georg-Kolbe-Museum, Berlin
  • 2006 Still. Bilder zum Tod, DWM-Gelände, Kunstamt Reinickendorf, Berlin
  • 2008 kontaminationen = contaminationi, Comune die Padova Assessorato alle Politiche Culturali e Spettacolo, Padua, Kunsthaus Tacheles, Berlin
  • 2009 Öffentliche Erregung/Indecent Exposure, Loop – Raum für aktuelle Kunst, Berlin (in Kooperation mit dem Seminar Kunst und Strafrecht, Universität Potsdam)
  • 2009 Laufen Sie, meine Damen, ein Mann ist im Rosengarten, Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin
  • 2009 Prozess Nr. 1, Prozessgalerie, Berlin
  • 2010 Aktionale. Das nackte Sein, Verein Berliner Künstler, Berlin
  • 2011 Zwischen Aufruhr und Verbrechen. Der künstlerische Blick auf gewalttätige Frauen, Galerie am Amalienpark, Berlin
  • 2011 Byond Re/Produktion. Mothering, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
  • 2011 Berlin am Meer, Rosendal, Thöne & Westphal Galerie, Berlin
  • 2012 Aus Berlin, Osthaus Museum Hagen
  • 2012 Traum und Traumata-5 Künstlerinnen und ihre Sicht auf die Welt, Rathausgalerie, Aalen
  • 2012 Ingeborg Leuthold-Stiftung: Condition Humaine 2012, Ladengalerie Müller GmbH, Berlin
  • 2014 Lebens Wert, Mediengalerie ver.di Berlin – Brandenburg, Berlin
  • 2014 Before the Fall of the Wall I, Deutsche Botschaft London
  • 2014 Ein Raum für Alfred Flechtheim, Osthaus Museum Hagen
  • 2015 Berlin-London. Contemporary Art by Women, Deutsche Botschaft London
  • 2015 Sei Realist – sei Berliner. Leidenschaftliche Sichten des homo sapiens, Bastion Kronprinz, Zitadelle Spandau (mit Johannes Grützke, Michael Sowa, Hans Scheib, Johannes Heisig, Pavel Feinstein, Torsten Holtz, Bettina Moras, Lilli Hill, Andreas Leißner, Manfred Bluth)
  • 2015 Heike Ruschmeyer und Marc Gröszer, Galerie Franzkowiak, Berlin

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

  • Sammlung Ludwig Aachen
  • Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins
  • Berlinische Galerie
  • Graphothek Berlin
  • Willy-Brandt-Haus Berlin
  • Mönchehaus Museum Goslar
  • Kunsthalle Hamburg
  • Sprengel Museum Hannover
  • Land Berlin: Geschichtslabor am Eichenborndamm 238 (ehemalige Städtische Nervenklinik für Kinder 1941-1945), Berlin
  • Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich, Maulbronn

Art-magazin

Für unsere Serie „Radar“ fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: art-Korrespondent und Kunstkritiker Michael Kohler über die Berliner Malerin Heike Ruschmeyer.

Auf alten Fotos sieht Heike Ruschmeyer immer so ungemein schwermütig aus, als wolle sie sich über ihren eigenen Malstil lustig machen. Schließlich wird auch ihr Werk von düsteren Figuren bevölkert: Sei es eine Trauergemeinde am offenen Grab, deren Gesichter sie melancholisch verschleiert, oder es seien die Toten, die sie nach gerichtsmedizinischen Aufnahmen malt.

Eine gespenstische Stimmung liegt über diesen Porträts, deren Stille die Vorstellung der ewigen Totenruhe zu beschwören scheint, und diese zugleich ahnungsvoll unterwandert. Oft unterteilt Ruschmeyer ihre Leinwand in Raster, um die fotografischen Vorlagen auf das Format ihrer Gemälde aufzublasen, und lässt die Raster dann unretuschiert auf dem Gemälde stehen. Dann sieht man dem Motiv seine klinische Herkunft bereits von Ferne an.

Seit ihren künstlerischen Anfängen ist Heike Ruschmeyer dem Thema Tod treu geblieben, was ihr neben treuen Sammlern allerdings auch einen gravierenden Karriereknick bescherte. Zwar finden sich Werke der Meisterschülerin Wolfgang Petricks in bedeutenden Museen wie dem Ludwig Forum Aachen, der Kunsthalle Hamburg oder dem Sprengel Museum Hannover, im heutigen Kunstmarkt sind ihre bewegenden Bilder jedoch kaum gefragt.

Dabei gibt es in Ruschmeyer eine Künstlerin zu entdecken, die so konsequent wie wenige andere das Verhältnis zwischen Fotografie und Malerei thematisiert. Mit ihren Totenbildern nimmt sie einen Faden auf, den die Geschichtsschreibung der Fotografie von Beginn an gewirkt hat: Jede fotografische Aufnahme macht etwas sichtbar, was nicht mehr ist, und stellt es nach rein mechanischen Maßgaben dar. Gerade in ihren Pioniertagen wurde der Fotografie deswegen immer wieder unterstellt, sie würde der Welt eigentlich eine Totenmaske abnehmen.

Symbolische Wiederbelebung ohne Pathos Sicher nicht zufällig wählt sich Heike Ruschmeyer aus der unüberschaubaren Zahl von Gebrauchsfotos mit Vorliebe diejenigen als

Vorlagen aus, die auch heute noch als Totenmasken durchgehen können: Aufnahmen, die Kriminalisten und Leichenbeschauer gemacht haben. Mit malerischem Gestus haucht sie den stillgestellten Leibern dann den Atem des künstlerischen Ausdrucks ein, Pinsel und Palette werden auf diese Weise zu Werkzeugen einer symbolischen Wiederbelebung. Wobei den Bildern jedes Auferstehungs-Pathos fehlt: Auf ihnen ist kein Lazarus zu sehen, auch keine Erlösung aus dem gewalttätigen Jammertal. Was die Toten den Lebenden hinterlassen, ist die skeptische Hoffnung auf die Geborgenheit des Schlafs.

Besonders eindringlich wird Ruschmeyers malerische Melancholie auch auf ihren Porträtserien kleiner Kinder. Sie tragen beziehungsreiche Titel wie „Stiller“ oder „Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein“ und deklinieren die ganze Tonleiter elterlicher Schuldgefühle durch, ohne reißerisch oder auch nur unangemessen zu sein. Heike Ruschmeyer hat sich hier ein heikles Thema ausgesucht. Ihre Kunstfertigkeit zeigt sich darin, dass sie ihm stets gewachsen ist. Für ihre neueste Bilderserie blätterte Ruschmeyer im Familienalbum ihrer Tante und fand dort eine ihrem Werk verwandte Stimmung. „Was mich an den [zwischen 1935 und 1939 entstandenen] Fotos faszinierte“, so Ruschmeyer, „war, dass sich Karins Vater und Karin selbst so ernsthaft in einer ernsten Zeit bewegten. Es gab kein einziges Kind-nun-lach-doch-mal-Foto.“ Diese seltsame Komplizenschaft zwischen dem Mädchen und ihrem Vater hat Ruschmeyer auf ihren kleinformatigen Bildern sacht verstärkt. Einmal wirkt Ruschmeyers Tante, als wäre sie etwa einhundert Jahre alt und wisse weit mehr, als sie auf ihren schmalen Schultern tragen könnte. Ob sich hier schon das nahende historische Unheil ins Bild schleicht oder eine düstere Familiensache, überlässt Ruschmeyer dem mit banger Erwartung blickenden Betrachter.

Heike Ruschmeyer, geboren 1956 in Uchte, lebt als freischaffende Malerin in Berlin.