Dorit Trebeljahr (DE)

Dorit Trebeljahr (DE)

Schwanger mit Dreadlocks, Tischtennisbälle, Akupunkturnadeln, Heißkleber, Lack, 2012

Drachenschwanz, Fahrradschlauch, Metall, 80x60x160cm, 2009

Umhang (Teil des Krönungsgewands der Prinzessine), Akupunkturnadeln, Klebstoff, Lack, ca. 110x70x22cm, 2012-1

Dorit Trebeljahr (DE) Die Berliner Künstlerin zeigt ihre wunderbaren zarten und “nutzlosen“ Skulpturen. “Es gibt kein davor und kein danach in Bezug auf meine Arbeiten. Meine Arbeit ist poetisierte Spurensuche, mit Material, mit Sprache, mit Körper.“

In folge der Künstlerin lassen sich diese Werke nicht einem besonderen Konzept zuordnen sondern sind alle das Resultat vom „Spielen“, wie zum Beispiel “ spielender Mann“. Die Ausgelassenheit in ihren Kreationen ist bemerkenswert! Den benutzten Materialien schreibt sie neue Formen und Bedeutungen zu, die vorher ganz offensichtlich nicht vorhanden waren. Damit „täuscht“ sie den Betrachter. Ihre Arbeiten sind eine Kombination von spielsüchtigen Spiel,Farben, Formen und Quantität kombiniert mit einem starken Sinn von Rhythmus und wiederholenden Muster . Mit der Benutzung von vielen individuellen sehr bescheidenden Gegenstände, z.B. Akupunkturnadeln, vermag Dorit die Gegenstände in „unbrauchbare“ aber auffallend schöne Skulpturen umzugestallten.

Über Dorit Trebeljahrs Arbeiten und ihren Weg zur Kunst
Interview  von Sarah Søe – Galleri Heike Arndt DK

Nicht fassbare metaphysische Reflexionen als auch menschliche Problemstellungen und Verhaltensweisen spiegeln sich in ihren Arbeiten wider. Die Begegnung mit der Bildhauerei und die Verfremdung industriell gefertigter Materialien münden in ihren Arbeiten in zerbrechliche und sinnliche Objekte, die trotzdem oft deutliche Bezüge zur Natur aufweisen. Dorit Trebeljahr benutzt gern Akupunkturnadeln, die in zierlichem Detailreichtum zusammengesetzt, gefaltet und verbogen werden und wiederholt organisch anmutende Objekte darstellen. Die anscheinende Zerbrechlichkeit der Materialien bildet einen sehr zarten Ausdruck, so dass die Werke von Dorit Trebeljahr kaum als Skulpturen definiert werden können – vielmehr sind sie Manifestationen von Poesie und Gedankenexperimenten – Objekte weit entfernt von Dreistigkeit und Einschüchterung. Ihre Kunst ist ein Ergebnis aus dem freien Spiel mit der Form – unabhängig von gewohnten Materialien und Normen in der Bildhauerei.-
Als Kind schrieb Dorit Trebeljahr Novellen und Poesie, erträumte sich ein Leben als Schriftstellerin und beschloss, erst einmal Literaturwissenschaften und Germanistik zu studieren. Das Universitätsleben gefiel ihr sehr, da sie es liebte, sich neues Wissen anzueignen. Aber sie fühlte immer wieder, dass etwas fehlte. Diese innere Unruhe- auch nach mehreren anderen Anläufen (Lehramtsstudium, Ausbildung in orientalischen/ modernen Tanz) immer noch nicht den richtigen Platz gefunden zu haben- plagte sie: Was war ihre Berufung? Beim Zeichnen erlebte sie diese unbegrenzte Begeisterung, Zufriedenheit und einen Eifer, den sie bei anderen Dingen nur selten spürte. Das veranlasste sie nach gründlicher Überlegung nun doch ganz gezielt und ambitiös mit ihrer Kunst zu arbeiten. Sie nahm Unterricht in Grafik und Skulptur bei Martin Seidemann und Robert Schmidt-Matt und stellte nach einem Jahr einen Antrag für das Studium an der Universität der Künste Berlin. Die angedachte Weiterbildung entwickelte sich schnell zu einer grundlegenden Neuorientierung. Bei ihrer Selbstprüfung erkannte sie, dass sie die „Stimme der Vernunft“ vergessen und stattdessen ihrem lange unterdrückten Wunsch vom Leben als freischaffende Künstlerin folgen musste. Sie wurde an der Universität der Künste in Berlin aufgenommen und verspürte diese unendliche Begeisterung und Energie, die sie so lange vermisst hatte. Nach einem Jahr Grundlehre u.a. in Bildhauerei, Zeichnung und Malerei wurde sie Schülerin bei dem Bildhauer und Professor David Evison. Hier bekam sie die Möglichkeiten, die Kunst weiter zu erforschen und ihren eigenen künstlerischen Weg und Ausdruck zu finden. Die Bildhauerei begeisterte Dorit Trebeljahr mit ihrer freien Materialwahl, die sich weit über Ton, Bronze, Stein oder Metall hinaus bewegen konnte – so konnten es auch Tischtennisbälle, Akupunkturnadeln oder Fahrradschläuche sein. Sie sah unendliche Möglichkeiten in der Bildhauerei und konnte sich mit ihren Materialexperimenten so ausdrücken, wie sie es sich immer gewünscht hatte. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung an der Universität der Künste in Berlin widmet sie sich nun der Kunst und zeigt ihre Werke in verschiedenen Ausstellungen. Darüber hinaus ist Dorit Trebeljahr heute Redakteurin der Künstlerzeitschrift Prolog. Mit Prolog organisiert sie häufig Ausstellungen für und mit anderen Künstlern und den „Salon tz-p“, wo Kunst, Literatur und Musik zu einer Einheit verschmelzen.
Somit scheinen alle Fäden zusammen zu laufen: Dorit verknüpft die Welten, die sie immer angezogen haben, und trotz der schwierigen Umstände als freie Künstlerin zu arbeiten, wird Dorit Trebeljahr nie die Motivation verlieren – solange sie an sich selbst und ihre Kunst glauben ist sie auf dem rechten Wege und kann ihre Arbeit fortsetzen.

DORIT TREBELJAHR

Born in 1977 in Torgau/ Elbe, Germany
Lives and works in Berlin
Studies
2004 – 2010 Fine Arts – class of Prof. David Evison Universität der Künste Berlin
Solo Exhibitions
2012 „Medusentrocknung“ | Galerie Hirschmann | Berlin
2011 Galerie Hirschmann Berlin
2008 Im Garten Göttin Berlin
Group Exhibitions (selected)
2013 Art Karlsruhe Galerie Hirschmann , Berlin
2012 Prolog 9 – a magazine release show Galerie der Kunststiftung Poll, Berlin
Sterne – Walden – Kunstausstellungen
Scope Basel Galerie Hirschmann, Berlin
Art/Architecture Galerie AEA, Berlin
Zwischenspiel Galerie Parterre, Berlin
Afrikanische Stelen im Kontext mit zeitgenössischer Kunst Galerie Hirschmann, Berlin
2011 Diffring Preis für Skulptur – Ausstellung anlässlich der Verleihung Villa Kult, Berlin
Prolog 8 – a magazine release show Lage Egal, Berlin
Prolog 7 – a magazine release show Villa Kuriosum, Berlin
2010 Update Art 2010 – 16 one-man-shows in cooperation with Art Forum Berlin and UdK Berlin Universität der Künste Berlin
Everybody learns from Disaster Villa Elisabeth Berlin
Prolog 6 – a magazine release show Galerie Parterre Berlin
Prolog 5,5 – a magazine release show ausland Berlin
2009 Fünfmalvier Universität der Künste, Einsteinufer Berlin
Komm nackt. Bring Bier mit. Schokoladen-Mitte e.V. Berlin
Prolog 4 – a magazine release show Galerie Parterre Berlin
2008 Works on Paper – a group show of the class of Prof. David Evison Universität der Künste Berlin
Prolog 3 – a magazine release show Königsstadt, Saarbrücker Straße Berlin