Fabio Valerio Tibollo (IT)
Text geschrieben von GHA
Der italienische Künstler Fabio Valerio Tibollo arbeitet mit Film, experimentellem Kino und audiovisuellen Installationen und schafft Werke, die zwischen Erzählung, Erinnerung und politischer Reflexion oszillieren. Sein Videoprojekt s/hE (Jean) entfaltet sich als anarchistische, nicht‑binäre Coming‑of‑Age‑Fabel.
Beginnend an der Nordküste der Bretagne im Jahr 1970 und sich bis nach New York während Occupy Wall Street 2011 erstreckend, zeichnet die Arbeit ein Leben nach, das von wechselnden Identitäten, emotionalen Transformationen und Begegnungen mit unterschiedlichen sozialen und politischen Realitäten geprägt ist.
Im Verlauf der Erzählung bewegt sich die Protagonist*in durch ländliche Kommunen, Studentenaufstände, Underground‑Nachtleben und instabile Beziehungen und konfrontiert dabei sowohl männliche als auch weibliche Verhaltensmodelle.
Tibollo gestaltet diese Episoden weniger als lineare Erzählung denn als fragmentierte emotionale Landschaften, in denen sich Erinnerung, Ideologie und persönliche Identität fortwährend überlagern.
Die erste Episode konzentriert sich auf die Jugend der Protagonistin in Meneham, einem abgelegenen Küstendorf von Fischerinnen, Landwirtinnen und Tangsammlerinnen. Tibollo nähert sich dieser Welt durch langsame Beobachtung und poetische Bildsprache, wobei Architektur, Landschaft und Gesten symbolische Bedeutung tragen. Anstatt feste Schlussfolgerungen zu formulieren, untersucht s/hE (Jean) Identität als etwas Fluides, Konstruiertes und ständig Aushandelbares. Durch experimentelle Struktur und emotional aufgeladene Bildwelten schafft die Arbeit einen kontemplativen Raum zwischen Fiktion, Erinnerung und sozialer Kritik.






