Matthias Lehmann (DE)

Matthias Lehmann (DE)

 Text geschrieben von GHA

Der deutsche Künstler Matthias Lehmann schafft Skulpturen aus Edelstahl, die eine eindrucksvolle Balance zwischen industrieller Materialität und organischer, fast geologischer Form verhandeln. Seine Werke wirken zugleich scharf und fließend, als wären sie sowohl durch präzise Konstruktion als auch durch langsame natürliche Kräfte geformt. Diese Dualität verleiht den Skulpturen eine zeitliche Ambivalenz: Sie könnten ebenso gut konstruierte Objekte wie erodierte Relikte oder zukünftige Artefakte unbekannter Herkunft sein.

Die reflektierenden Metalloberflächen falten, biegen und wölben sich zu komplexen Strukturen, die von Dellen, Spitzen, Hohlräumen und Ausstülpungen geprägt sind. Trotz der Härte und technischen Präzision des Edelstahls erinnern Lehmanns Formen an Korallenwachstum, verwitterten Stein oder Objekte, die über Jahrhunderte von Wasser, Druck und Reibung verändert wurden. Licht spielt eine zentrale Rolle: Es gleitet über polierte Flächen, bricht sich an Kanten und verschwindet in Vertiefungen, sodass die Skulpturen je nach Blickwinkel instabil, veränderlich und beinahe lebendig erscheinen.

Matthias Lehmann (DE)

Lehmanns Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und physischer Präsenz. Scharfe Kanten und kantige Faltungen vermitteln Spannung, Kraft und strukturellen Widerstand, während geschwungene Öffnungen und fließende Konturen Weichheit und Bewegung einführen. Dieses Zusammenspiel von Härte und Verletzlichkeit erzeugt eine skulpturale Sprache, die zugleich konstruiert und intuitiv wirkt. Man spürt das Gewicht und die Solidität des Materials, doch die Formen scheinen in Bewegung – sich auszudehnen, zusammenzuziehen oder zu verdrehen, als befänden sie sich in einem Moment der Transformation. Durch diesen Kontrast definiert Lehmann Edelstahl als taktiles, ausdrucksstarkes Medium neu. Er löst das Material aus seinen industriellen Assoziationen und zeigt dessen Potenzial für Nuance, Sinnlichkeit und organische Resonanz. Seine Skulpturen laden zur Nahbetrachtung ein: Je länger man schaut, desto mehr offenbaren die Oberflächen – Spuren von Einschlägen, subtile Unregelmäßigkeiten und die stille Dramatik von Form unter Spannung. In Lehmanns Praxis wird Skulptur zu einem Ort, an dem Material, Licht und Bewegung zusammenfinden. Seine Werke sind Meditationen über Transformation, Widerstandskraft und die fließenden Grenzen zwischen dem Gemachten und dem Gewachsenen.

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