Wojciech Tylbor-Kubrakiewicz (PL)
Text geschrieben von GHA
Der polnische Künstler Wojciech Tylbor-Kubrakiewicz präsentiert „Longing“, einen großformatigen Linolschnitt, der ein abgelegenes, gewöhnliches Gebäude in einer ländlichen Gegend darstellt. Mit minimalem Einsatz von Farbe ist der Druck überwiegend schwarz-weiß gehalten.
Die Frontalansicht wird durch vertikale Linien fragmentiert, und die vermeintliche Ruhe wird gestört. Das Gebäude wirkt eher alt und vernachlässigt, während die menschliche Präsenz minimal ist. In der Bildmitte erscheint eine schemenhafte Gestalt, die das Motiv auf mysteriöse Weise unterbricht und den Eindruck vermittelt, dass sich verschiedene Zeitmomente in einem einzigen Bild überlagern. Obwohl die Gestalt kaum zu erkennen ist, erzeugt ihre Präsenz eine Spannung zwischen dem, was man sieht, und dem, was man wahrnimmt, und schafft eine Atmosphäre, die sich sowohl distanziert als auch intim ausnimmt.
Die visuellen Unterbrechungen im Bild verstärken das Gefühl der Vernachlässigung, da das Werk den langsamen Verfall dokumentiert und uns an die Menschen erinnert, die einst hier gelebt haben. Es ist ein stiller Verfall: ein Zeugnis des Vergehens der Zeit und der Spuren, die Menschen hinterlassen haben, die einst Teil der Erzählung waren.
Tylbor-Kubrakiewicz‘ Werk untersucht die Gegenüberstellung von Zeit, Ort, Raum und Erinnerung, indem es die Aufmerksamkeit auf das Unentdeckte lenkt. Durch das Fehlen konkreter, zeitbezogener Objekte eröffnet das Werk Raum für Interpretationen und hinterfragt die Zuverlässigkeit des Gesehenen.
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