Marina Skepner (DE)
Text geschrieben von GHA
Die russisch‑deutsche Malerin Marina Skepner nutzt die Ölmalerei, um ihre oft düsteren, bedrohlichen Fabeln über die Einsamkeit der Jugend auf Papier zu bannen. Ihre Werke sind geprägt von dicken, kraftvollen Pinselstrichen, die den Bildraum energisch durchziehen und den rohen, emotional aufgeladenen Zustand ihrer meist untätigen, in sich gefangenen Figuren sichtbar machen. Skepner untersucht das Wesen der Jugendlichkeit und setzt sich dabei intensiv mit Fragen der Selbstidentität auseinander.
Zentral für ihre Bildkompositionen ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft – ein neugieriger, suchender Fokus, der sich von der rein physischen und narrativen Ebene löst und in eine psychologische Dimension übergeht. Die Figuren wirken, als befänden sie sich in einem Zwischenraum: isoliert, verletzlich, zugleich aber von einer inneren Dringlichkeit getragen. Skepners Werke betonen die Bedeutung von Erinnerung und laden den Betrachter dazu ein, verborgene Wahrheiten und verdrängte Empfindungen in sich selbst wiederzuentdecken. Während das Motiv der jugendlichen Sehnsucht heute kunsthistorisch etabliert ist, gelingt es Skepner, dessen tabubehafteten Kern freizulegen.
Ihr Stil konfrontiert das Publikum mit der eigenen Konditionierung und den prägenden Jahren der Adoleszenz – jenen Momenten, in denen Unsicherheit, Verletzlichkeit und Identitätssuche untrennbar miteinander verwoben sind. Die Künstlerin fordert uns auf, diese inneren Landschaften neu zu betrachten und die Fragilität des Erwachsenwerdens nicht als nostalgisches Motiv, sondern als existenzielle Erfahrung zu begreifen. In ihren neuesten Arbeiten verlagert Skepner diese Untersuchung von der Figur auf das Objekt. Alltagsgegenstände werden zu Trägern derselben Dissonanz und Verletzlichkeit, die zuvor in ihren Protagonisten sichtbar wurde. Die monochromen Hintergründe verstärken diese Wirkung: Sie reduzieren den Raum auf das Wesentliche, schärfen den Blick für das Objekt als psychologisches Zeichen und verleihen den Szenen eine eindringliche, fast ikonische Präsenz. So entwickelt Skepner ein visuelles Vokabular, das zwischen persönlicher Erinnerung, kollektiver Erfahrung und symbolischer Verdichtung oszilliert. Ihre Werke sind keine abgeschlossenen Erzählungen, sondern offene Räume, in denen Einsamkeit, Sehnsucht und Identitätssuche miteinander verschmelzen – und in denen der Betrachter unweigerlich seine eigene Geschichte mitliest.
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